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Vogelkrankheiten – vorbeugen und heilen
 

Haben Sie auch einen Vogel?

Solch ein kleiner, zarter, fröhlicher Geselle kann bei fürsorglicher Pflege über Jahre hin ein treuer, zutraulicher Hausgenosse sein.

 

Und wenn Hansi, Coco und Co. mal nicht gut drauf sind, dann kann die Homöopathie in vielen Fällen zur Genesung beitragen. Wie man in einer Tierarztpraxis mit der Homöopathie bei Vögeln umgeht, haben wir uns angesehen.

Mittwoch Nachmittag. Tierarzt Dirk Schrader (60) von der Tierklinik Hamburg-Rahlstedt führt eine komplizierte Magenoperation bei einem Irish Setter durch. Derweil warten die 19-jährige Mena und die kleine Fiona (6) ungeduldig im Wartezimmer. "Mein Hansi frisst nicht richtig. Und wenn er doch mal ein paar Körner pickt, würgt er sie gleich wieder 'raus. Ich hab' richtig Angst um ihn. - Wie heißt denn Dein Vogel?" "Bizzy", antwortet Mena stolz. "Und was hat er?", will Fiona wissen. "Er ist schon wieder gesund", meint Mena erleichtert, "der Doktor will nur noch einmal nachschauen. Bizzy hatte Durchfall. "

"Das kommt häufig bei Vögeln vor", erzählt mir Tierarzt Schrader. Heimvögel sind oft stressanfällig, und da kann es leicht mal zu Verdauungsstörungen kommen, die man homöopathisch mit dem richtigen Arzneimittel genauso behandelt wie beim Menschen." "Das Nächste bitte!" Hansi ist dran. Vorsichtig stellt Fiona den kleinen Vogelkäfig auf den Behandlungstisch. Schrader tastet den kleinen weiß-blauen Flugkünstler ab. Der ist sehr berührungsempfindlich. "Wahrscheinlich Probleme mit dem Kropf", konstatiert der Doktor. "Kommt gelegentlich bei Wellensittichen vor, wenn sie falsches Futter bekommen. Wie hat er sich denn in den letzten Tagen verhalten?" Fiona: "Er wollte überhaupt nicht fressen."

Wie können Kropfprobleme entstehen? Das frage ich den Tierarzt während der Untersuchung. "Der Kropf kann sich entzünden, zum Beispiel durch falsche Fütterung. Chemische Substanzen, die Vogelfutter haltbar machen, können die Auslöser sein. Da bilden sich Pilze, Säuren oder andere Schädlinge. Die rufen dann die Entzündungen oder Verletzungen der Kropfschleimhaut hervor.

 

Hansi kriegt eine Langzeittherapie
In jedem Fall wird man eine sehr langwierige Behandlung beginnen müssen - mit einer Kombination aus verschiedenen geeigneten homöopathischen Arzneimitteln. Diese Langzeitbehandlung kann Fiona selbst durchführen. Normalerweise würde man einem Körnerfresser jetzt Globuli verabreichen. Weil diese auch Vögeln gut schmecken, würde ein gesunder Sittich sicherlich mit Freude 'reinhauen'. Der Tierarzt aber löst die Globuli in physiologischer Kochsalzlösung auf, füllt die Lösung in eine Spritze mit abgerundeter Kanüle. Und so trinkt Hansi die heilsame homöopathische Medizin. Schrader: "Fressen mag er ja nicht - wegen der Schmerzen." Und die gehen hoffentlich auch bald vorbei. Der Doktor stellt noch ein Rezept aus und erklärt, wie Mona mit dem Homöopathikum umgehen soll: "Globuli in physiologischer Kochsalzlösung auflösen und mit einer Pipette eingeben. Klares Wasser tut es aber auch." Leicht zu merken.

Übrigens: Dilutionen verordnet der Tierarzt so kleinen Geschöpfen nicht - "wegen des Alkoholgehalts."

"Hansis" Speise- und Getränkeplan muss sich für einige Wochen ändern: Kamillentee, naturgerechte Nahrung, weiches Obst soll es geben - und auf seine geliebte Kolbenhirse wird er eine Zeit lang verzichten müssen.

Bizzys Abschlussuntersuchung ist kurz und bündig: "Der Durchfall ist verschwunden", berichtet die junge Frau und zieht glücklich von dannen.

 

Auf das passende Mittel kommt es an
"Zwei Dinge sind bei der homöopathischen Behandlung besonders wichtig", erklärt mir der Tierarzt. "Einerseits die Wahl des passenden homöopathischen Arzneimittels und der schnelle Beginn der homöopathischen Therapie. Das passende Mittel habe ich herausgefunden, indem ich mir Hinweise auf das Wesen des Vogels geben ließ und auch selbst beobachten konnte, wie er sich verhält. Nachdem ich eine virale Erkrankung ausgeschlossen habe, hat Mena dem Vogel über mehrere Tage das von mir empfohlene homöopathische Mittel gegeben - und wie wir sehen, war es genau das Passende: "Ich hab noch was Besonderes für Sie", erklärt mir der Doc und zeigt mir eine Möwe, die zur Zeit in der Krankenstation der Tierklinik Quartier bezogen hat. Der Seevogel war in einem elenden Zustand gefunden worden: völlig abgemagert, eine böse Verletzung an der Kralle. Über die Knopfkanüle habe ich sie über mehrere Tage homöopathisch behandelt und konnte schon nach kurzer Zeit feststellen, dass sich ihr Allgemeinzustand erheblich verbessert hat."

Jetzt will ich vom Tierarzt natürlich noch etwas wissen: "Sie arbeiten doch nicht ausschließlich homöopathisch, sondern auch schulmedizinisch. Wann ist denn aus Ihrer Sicht eine homöopathische Behandlung angezeigt?"

Behandlung wie beim Menschen
"Wenn bei einem Tier die Chance besteht, die körpereigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren", weiß Dirk Schrader, "dann ist die Homöopathie ein sinnvoller Ansatz. Natürlich sind Vögel ganz besondere Patienten. Wenn es schon nicht leicht ist, eine Diagnose bei Vierbeinern zu stellen und dann die richtige homöopathische Therapie einzuleiten, weil das Tier seine Beschwerden ja nicht schildern kann, so ist es bei einem Vogel noch viel schwieriger. Aber es gibt ja eben ganz bestimmte Krankheitsbilder, die wir ja auch aus der Humanmedizin kennen und die wir dort sehr erfolgreich homöopathisch behandeln." Dann packt er seine Möwe in einen Korb und schließt die Praxis ab: "Ich fahre jetzt an die Elbe. Da lasse ich die Möwe nachher wieder fliegen..."

Die häufigsten Vogelkrankheiten

» Milbenbefall «
Vor allem beim Wellensittich. Grintbefall (Räudemilben), zeigt sich um den Schnabel herum, erstreckt sich aber auch auf andere Körperteile. Rote Milben: befallen die Vögel in der Dunkelheit, sind daher am Tage schwer auszumachen. Diverse andere Milben, die zwar nicht bedrohlich sind, den Vögeln aber sehr zusetzen können. Luftsackmilben kommen in den Atmungsorganen und sogar in den Knochenzellen der Vögel vor. Bei Befall führt der Vogel pumpende Bewegungen mit dem Schwanz aus.

» Würmer «
Unterschiedliche Arten wie zum Beispiel Haarwürmer und Spulwürmer können den Vogel befallen.

» Durchfall «
Darmerkrankungen deuten oft auf Parasitenbefall hin (hervorgerufen durch Bakterien wie Colibakterien oder Clamydien).

» Chronische Atemstörungen «
Der Vogel atmet röchelnd und lässt wässrigen Kot ab.

» Unterernährung «
Mangel an Jod, Calcium, Phosphor, Vitamin D und Magnesium.

» Vermindertes Schwanzfeder-Wachstum «
Die Schwanzfeder bricht aus dem Schaft, verdickt sich und stirbt schließlich ab.

» Trichomonaden «
Lagern sich am Kopf des Vogels ab und verursachen ständiges Würgen. Der Kropf füllt sich mit Wasser.

HOMÖOPATHISCHE MITTEL IN DER VOGELHEILKUNDE

An den Modalitäten (den Umständen, unter denen eine Erkrankung auftritt) orientiert sich häufig die Wahl des passenden homöopathischen Arzneimittels. Daher gilt für die Mittel, die oft bei Heimvögeln angewendet werden, meist folgende Regel:

Aconitum napellus

ACONITUM NAPELLUS (Blauer Eisenhut)

Bei Beschwerden, die akut, plötzlich und mit großer Heftigkeit auftreten.


Arnica montana

ARNICA MONTANA (Bergwohlverleih)

Verschlechterung durch Berührung und Bewegung.


Arsenicum album

ARSENICUM ALBUM (Weißes Arsen)

Ruhelos, unruhig, kälteempfindlich, oftmals entkräftet, nach der geringsten Anstrengung erschöpft.


Belladonna

BELLADONNA (Tollkirsche)

Bei akuten, plötzlich auftretenden, offensichtlich schmerzhaften Erkrankungen.


Graphites

GRAPHITES

Vogel ist fettleibig, neigt zur Verstopfung.


Lycopodium

LYCOPODIUM (Bärlapp)

Kaum Durst.


Nux vomica

NUX VOMICA

Vögel sind mager bis schlank, nervös und reizbar. Abneigung gegen Berührung.


Pulsatilla

PULSATILLA

Absonderungen aus Auge, Nase, Kloake; oft gelb und dickflüssig. Körpertemperatur steigt und fällt.


Sulfur

SULFUR

Übelriechendes, fettiges, schuppiges Federkleid, Federbruch, Rötung der Kloake.


 
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